Nun läuten sie also – die Glocken der gut 1000 Kirchen unserer Nordkirche, und das in der Regel alle um 12.00 Uhr: Läuten als Ruf zum Gebet für unser Land und für die anderen Länder, die von der Pandemie betroffen sind. Gebet für Ärztinnen, Ärzte, Schwestern und Pfleger, für Erkrankte und von Erkrankung Bedrohte, für Menschen in Quarantäne und die, die für sie sorgen. Gebet für Menschen, die existentielle Sorgen haben, weil ihr Geschäft nun geschlossen hat und die Aufträge wegbrechen. Gebet für die Verkäuferinnen und die LKW-Fahrer und die Polizisten und die Postzusteller und die vielen, die weiter im Einsatz sind. Beten dafür, dass bald ein Heilmittel gegen Corona und auch ein Impfstoff gefunden wird. Und noch für so viele andere Anliegen in dieser schweren Zeit.

Es hat etwas gedauert, bis für dieses Läuten entschieden wurde, andere Kirchen waren schneller, im Internet kursierten von verschiedensten Seiten schon Aufrufe zum Läuten, und in unserer Region hatten Kirchengemeinden für sich selber bereits begonnen mit Glocken zum Gebet zu rufen. Schade, dass wir es nicht landesweit und ökumenisch hinbekommen haben: dass sich die Gliedkirchen der EKD und die katholische Kirche auf eine gemeinsame Läutezeit geeignet haben. So läuten die Glocken im hessischen Gießen von 9.55 – 9.59, in Würzburg abends um 18.00 Uhr, in Freising bei München und im Saarland um 19.30 Uhr. Und schade, dass mit 12.00 Uhr hier im Norden eine Uhrzeit gewählt wurde, zu der an vielen Orten sowieso schon das ganz normale Mittagsgeläut seine Tradition hat. Aber natürlich kann man es auch nie allen recht machen. Wichtig ist, dass die Glocken läuten und die Menschen vor Ort informiert werden: Wir als Christinnen und Christen beten jeden Tag für alle von Corona direkt oder indirekt Betroffenen. Gerade jetzt, wo wir nicht mit unseren Gemeinden Gottesdienst in der Kirche feiern können, ist es umso wichtiger die Gebetsgemeinschaft auf andere Weise zu pflegen, den Ernst der momentanen Situation uns allen bewusst zu machen, aber auch die Hoffnung und Kraft, die der Glaube gibt, zu Gehör zu bringen. Für mich ist Glockengeläut immer eine besondere Unterbrechung mitten im Alltag, die den Blick von mir weg Richtung Gott lenkt und mir bewusst macht: ich bin in Gottes Hand. Da ist ein segnender, liebender Christus über jedem und jeder einzelnen. Wir können zu ihm kommen mit unseren Sorgen und Anliegen. Bei ihm ist Hilfe! Und dieses Gefühl brauch ich jetzt ganz besonders, wo ich mich so hilflos fühle angesichts täglich neuer Zahlen über Infektionen und Todesfälle und angesichts Menschen auch in meiner nächsten Umgebung, die einfach unter der Situation, wie sie momentan ist, sehr leiden. Und wir alle leiden mit. Es tut mir gut mit Gott zu reden. Ihm all das zu bringen, was mir auf dem Herzen liegt. Und zu wissen: das tun jetzt zeitgleich auch andere mit mir. Die beten für die Menschen, an die ich jetzt auch denke. Und manchmal beten sie auch für mich und ich für sie, das ist ein schönes Gefühl. Und ich bin überzeugt: Kein Gebet ist umsonst. Jedes verändert die Situation. Im Jakobusbrief heißt es (Jakobus 5,16): „Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.“ Und im Matthäusevangelium sagt Jesus: „Bittet, so wird euch gegeben.“ (Matthäus 7,7). – Es ist einer der wichtigsten Beiträge von uns Christinnen und Christen für die ganze Gesellschaft in dieser Zeit: zu beten voll Vertrauen, dass der stärkste Helfer, den es geben kann: hört und hilft. Das wird er! Ganz gewiss! Bleibt behütet! Euer Pastor Gerald Hier noch ein Gebetsvorschlag unserer Kirche, wenn man mal Worte sucht, was man beten kann: Ein Gebetsvorschlag:

Den Klang hören und durchatmen.

Mit Gott sprechen. Vielleicht so:

Gott, sei bei mir.

Höre meine Sorgen.

Höre meine Bitten:

Für die Kranken.

Für ihre Angehörige.

Für die Pflegenden.

Für die, denen das Geld ausgeht.

Für die Erschöpften.

Für die Sterbenden und die Trauernden.

Tröste, trage, liebe alle, die dich brauchen.

[Vaterunser]

Gott sagt:

Fürchte dich nicht. Ich bin bei dir.

Lass mich darauf vertrauen.

Danke für alles, was stärkt.

Amen.

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