Ich habe ihn gestern gesichtet. Den ersten Regenbogen. Wie, fragt ihr vielleicht etwas überrascht, gestern gab es doch keinen Regen und so auch keinen Regenbogen, was soll das denn? Doch, in der Dorfstraße in Emmelsbüll gibt es einen, am Mathildenhof: ein großer, schöner Regenbogen ist da zu sehen, der auch nachts nicht verschwindet. Von Kinderhänden liebevoll gestaltet. Er ist Teil einer weltweiten Aktion anlässlich der Coronakrise und soll unterstreichen: Wir bleiben zu Hause. In Italien ist diese Aktion entstanden. Regenbogen werden gemalt: damit Kinder eine Aufgabe haben, und damit sie, wenn sie mal draußen unterwegs sind, an anderen Häusern erkennen, dass da auch Kinder sind, die jetzt viel Zeit zu Hause verbringen müssen.

Regenbogen, auf Papier gemalt und an Fenstern oder Türen oder Häusern aufgehängt, gibt es inzwischen genauso in England oder Afrika oder den USA oder Australien. Der Regenbogen ist ein altes Hoffnungszeichen. Die Bibel erzählt von einer großen Sintflut, die die Erde erschüttert hatte und in der viele Menschen und Tiere in den Wassermassen gestorben waren. Nur Noah, den Gott rechtzeitig ein riesen Schiff bauen ließ, und Noahs Familie und die Tiere, die Noah in die Arche mit hineingenommen hatte, konnten die Flut überleben. Als am Ende alles überstanden war und alle Lebewesen die Arche wieder verlassen konnten, da malte Gott an den Himmel einen großen Regenbogen und versprach: „Niemals will ich mehr eine Flut schicken und Leben zerstören, selbst wenn die Menschen mich enttäuschen.“ Der Regenbogen wurde zum großen Hoffnungszeichen, dass das Leben weitergehen soll, auch in schweren Zeiten, weil Gott selber für das Leben und für uns einsteht mit seiner Hilfe. Damit ein Regenbogen entsteht, braucht es Regen und Sonne. Beides. Das ist Hoffnung, die Gott uns schenkt: dass, wenn es stürmt und regnet und dunkel um uns wird, irgendwann auch wieder die Sonne herauskommen wird hinter den Wolken. Und dann gibt es oft diesen atemberaubend schönen Regenbogen. Momentan ist sie für viele nicht zu entdecken, die Sonne, und das Leben eher von Sturm und Regen erschüttert. Menschen, die an Corona erkrankt sind und in Quarantäne müssen oder sogar um ihr Leben kämpfen. Großeltern, die ihren Enkeln nicht nahe kommen dürfen und umgekehrt. Menschen, die um ihre berufliche Existenz fürchten, weil das gesellschaftliche Leben so heruntergefahren ist. Ärzte und Schwestern und Pfleger, die bis über die Grenzen ihrer Kraft ankämpfen gegen das Virus. Menschen, die noch gar nicht wissen, wie sie in diesem Jahr das Abitur schreiben sollen oder wann sie konfirmiert werden können und wie überhaupt alles weitergeht. So wie es jetzt ist, soll es nicht bleiben. Die Sonne soll wieder scheinen! Vergesst das nicht! Und: Gott ist es nicht, der uns diese Katastrophe einfach schickt und uns damit allein lässt, sondern er ist es, der das Leben will, der uns allen helfen will, diese schwere Zeit zu bestehen und darauf zu vertrauen, dass wieder bessere Zeiten kommen. Wie könnten wir daran besser erinnert werden als durch ein paar Regenbögen, von Kinderhand gemalt, die an Fenstern oder Türen oder Häusern oder Bäumen unserer Dörfer hängen und uns zeigen: Das Leben ist bunt und schön. Wir müssen jetzt durchhalten. Wir halten alle zusammen. Und verlieren nicht die Hoffnung. Gott will uns dabei helfen! Also: Bleibt gut behütet – und wenn ihr Zeit habt, ihr Ältere oder Jüngere, malt doch auch einen Regenbogen und hängt ihn auf, sichtbar irgendwo bei euch daheim, als Zeichen der Hoffnung für uns alle! Und wen ihr auch einen Regenbogen seht - schreibt uns doch mal! Euer Pastor Gerald

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