Es hat mir gestern schon etwas gefehlt. Als wir am Essenstisch saßen – da kamen nicht einmal meine Mädels in diesem Jahr auf die Idee mir von einem großen Kaffeefleck auf dem Hemd oder irgendeiner Spinne auf dem Kopf etwas zu erzählen, um dann „April, April“ zu rufen. Oder als ich in der Zeitung las – da findet man doch jedes Jahr irgendwo versteckt eine merkwürdige oder witzige Meldung, die sich dann als Aprilscherz herausstellt. In diesem Jahr: nichts. In diesem Jahr traut sich kaum jemand – die Lage ist wirklich ernst bei uns und in der Welt, in Zeiten der Pandemie. Dabei hätte es Meldungen geben können: Sommerferien fallen aus – Kultusministerin von Schleswig-Holstein streicht die Sommerferien, damit die verlorenen Schulstunden nachgeholt werden können und weitere Ansteckungsgefahren wegen möglicher Urlaubsreisen vermieden werden.

Oder: Bundesliga-Saison wird nicht fortgesetzt. Die DFL entschied in diesem Jahr Meister- und Abstiegsplätze auszuwürfeln. Oder: Die großen Kirchen beschließen: Ostern wird in diesem Jahr zusammen mit Weihnachten gefeiert – Die Schokoladenindustrie reagiert erfreut: dann müssten Schokoosterhasen vor Weihnachten nicht extra mühsam in Nikoläuse umgeschmolzen werden! – Was hätte es für verrückte Nachrichten geben können. Aber es gab fast nichts. Man mag das dem Ernst der Lage durchaus angemessen empfinden. Allerdings – ich weiß nicht, wie es euch geht: wir brauchen in so ernsten Lagen doch gerade auch immer mal etwas zum Schmunzeln, oder? Ja, manchmal kann ich die vielen Talkshows abends im Fernsehen, die sich immer rund um Corona drehen, nicht mehr ertragen und brauch dann was anderes: Comedy oder meinetwegen auch kultische Schlagermusik oder irgendeine Castingshow, einfach nur um mal was anderes zu hören und zu sehen. Und wir brauchen auch etwas zum Lachen. Jesus konnte das. Das glaube ich fest: Menschen zum Lachen bringen. Wenn er Kinder „herzt“, wie es in der Bibel heißt: dann muss er dabei gestrahlt haben. Oder so viele Gleichnisse erzählen von der Freude: über eine gefundene Münze oder den heimgekehrten Sohn. Manche der Bildworte, die Jesus verwendet, sind, ich denke, ganz bewusst auch komisch gewählt: das Kamel, das eher durch ein Nadelöhr kommt als ein Reicher in den Himmel. Was für eine grandiose Vorstellung, sich so ein Kamel durch ein Nadelöhr zwängen zu sehen! Eine sehr ernste Botschaft, aber doch eben auch mit einem Augenzwinkern garniert, das den Worten dennoch nichts von ihrer Schärfe nimmt. Und wenn Jesus auf Feiern und Festen anzutreffen ist, und davon berichtet die Bibel ja des öfteren, und sogar dafür sorgt, dass auf einer Hochzeit der Wein nicht ausgeht: dann kann ich mir Jesus ohne Anflug von Heiterkeit und Humor nicht vorstellen. – Und gestern - musste ich lachen mit der Frau, der ich einen Brief aushändigen wollte, und wir deuteten beide an: 2 Meter Abstand halten, das wird jetzt schwierig. Da erlebe ich die Freundlichkeit der Kassiererin, die in allem Stress und mancher Sorge sich irgendwo anstecken zu können, einem mit strahlendem Lächeln einen schönen Feierabend wünscht. Da schickt mir jemand über Whatsapp einen netten Gruß und eine witzige Animation. Solche Momente tun jetzt ganz besonders gut! – Stellt euch vor, wenn dann irgendwann nach Ostern die Bundeskanzlerin verkündet: „Die aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Institutes geben Anlass zur Hoffnung. Ab morgen gilt: Die Geschäfte können wieder öffnen! Die Restaurants auch. Kinder können wieder in die Kitas und in die Schulen. Haltet noch etwas Abstand, desinfiziert die Hände, und keine Versammlungen über 50 Leute. Das wird wenigstens für die meisten Gottesdienste kein Problem sein! Wir schaffen das!“ – Und all das geschähe vielleicht noch im April und wäre doch kein Aprilscherz! Na, träumen darf man doch!

Kommt gut behütet durch die Zeit!

Euer Pastor Gerald

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