1710 Agape BeitragsbildDarf Abendmahl auch „Online“ gefeiert werden? Das heißt also: ein Gottesdienst wird live gestreamt und in die Häuser übertragen, und dort sitzen Menschen zusammen, haben Wein oder Traubensaft und Brot auf dem Tisch stehen, und nachdem der Priester oder Pastor via Bildschirm aus der Kirche die Einsetzungsworte gesprochen und die Abendmahlsliturgie gefeiert hat, reichen sich die zu Hause vor dem Bildschirm versammelten Menschen gegenseitig Brot und Kelch, sagen vielleicht noch: „Christi Leib für dich gegeben, Christi Blut für dich vergossen“ oder, einfacher: „Von Jesus: für dich!“ – und feiern vollgültig das Abendmahl zu Hause mit. Es wäre eine Chance gewesen in diesen einschneidend besonderen Zeiten momentan, in denen Kirchen für Gläubige verschlossen, öffentliche Gottesdienste nicht möglich sind, aber seelische Not und Herzensangst wächst: wenn in diesem Jahr diese bisher nicht übliche Form des Abendmahls von Kirchenleitungen als legitim und möglich abgesegnet worden wäre!

Es ist das „Heilmittel für die Unsterblichkeit“, so hat Athanasius vom Abendmahl geschwärmt. Ja, es macht uns Gottes Nähe spürbar und schmeckbar, und es kann eine Hausgemeinschaft, die momentan so viel miteinander auszuhalten hat, wenn man auf engstem Raum zusammenwohnt, sehr stärken: wenn man sich gegenseitig Brot und Wein reicht und darin Gottes Liebe erfährt. Ja, gewiss, normalerweise feiern wir Abendmahl in der Kirche. Normalerweise sollte diese Feier eine ordinierte Person anleiten – und zwar nicht, weil nur die das kann oder den heißeren Draht zum Himmel hat, sondern, weil Luther Sorge hatte, dass sonst ein Durcheinander und Wildwuchs Raum greift, wenn jeder Abendmahl nach Gutdünken mal schnell daheim feiern kann. Aber in diesem Jahr, wo wir alle nicht als Gemeinde zu Gottesdiensten zusammenkommen dürfen in der Karwoche: da gab es das Bedürfnis von Gemeinden vor Ort, zu so einer Abendmahlsfeier „Online“ einzuladen. – Ich kenne Menschen, die haben fast ihr ganzes Leben immer vor Ostern Abendmahl mitgefeiert, ihnen bedeutet dieses Mahl unendlich viel. Und dieses Jahr, wo ohnehin alles so schwer ist, so viele Sorgen drücken und Menschen in unserer Gemeinde so Schweres erleben: berufliche Sorgen, Menschen in Pflegeheimen, die nicht besucht werden können, Beerdigungen, die nur im kleinsten Kreis vor der Kirche stattfinden dürfen undundund – es hätte gut getan, wenigstens online oder im Rahmen des Fernsehgottesdienstes Abendmahl daheim einfach mitzufeiern! Nun hat es die Nordkirche in einem bischöflichen Schreiben uns Pastorinnen und Pastoren ausdrücklich: ausgeredet. Wir sollen uns solidarisch zeigen miteinander und gemeinsam auf das Abendmahl in der Kar- und Osterwoche verzichten. Das Wort „Verzichten“ kennen wir in diesen Corona-Zeiten ganz besonders! Es gibt gute theologische Gründe dafür, ich weiß. Und im übrigen auch ökumenische Gründe – wenn die Evangelischen dürfen, oder die Norden nur und die im Süden nicht, und die Katholischen nicht, ist das auch nicht schön! Niemand hat sich diese Entscheidung leicht gemacht. Von Jesus erfahren wir, dass er immer wieder Wege gefunden hat Regeln, wo sie der Hilfe am Nächsten und der Liebe im Weg stehen, zu durchbrechen. Es wäre in diesen besonderen Zeiten ein besonderes Zeichen gewesen. Und auch ein Zutrauen an die Gläubigen: mit großer Hingabe und allem Ernst so ein vollgültiges Abendmahl zu Hause mitzufeiern!– Nun haben wir trotzdem, und dazu lädt auch unsere Kirchenleitung ausdrücklich ein: die Möglichkeit zu einem Agapemahl. Agapemahl heißt: Liebesmahl und ist – ja, theologisch nicht so hoch gehängt wie das „Abendmahl“ als Sakrament, aber eben doch ein Mahl der Gemeinschaft miteinander und ein Mahl der Verbundenheit mit Jesus.

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Und so lade ich euch gerne ein: wenn wir am Gründonnerstag unseren Gottesdienst live streamen, einfach um 19.00 Uhr daheim am Tisch zu sitzen, vielleicht mit dem ganz normalen Abendbrot, und dabei Brot und vielleicht Trauben und Saft bereit zu halten. Und dann auch zu essen, daheim vor dem Bildschirm, und an Jesus zu denken und auf die Orgel zu lauschen und mit zu beten. Das könnt ihr übrigens auch ohne Online-Gottesdienst und auch zu einer anderen Uhrzeit. Wenn ihr zusammensitzt und esst und trinkt: denkt an Jesus. An sein letztes Mahl mit den Freunden an besagtem Donnerstag. Reicht euch Brot. Sagt euch die Worte: „Von Jesus für dich.“ Betet leise oder laut. Hört auf sein Wort. Und Jesus wird in eurer Stube sein. Ganz nahe! Ganz bestimmt! Und ihr werdet es auch schmecken! Dagegen hat keine Kirchenleitung auf der Welt etwas. Jesus würde es auch nicht hindern! Er kommt zu euch! Wie er jetzt schon da ist, wenn ihr betet und an ihn denkt. Also dann eben kein Abendmahl, aber eben ein Agapemahl! Das ist doch ein Kompromiss! Ich freue mich schon auf die Mahlzeit – mit euch! Und mit Jesus!

Bleibt behütet! Euer Gerald

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