Lohnt sich Beten? Was meint ihr? Oder darf man gar nicht so fragen? Lohnt sich beten? Wie viel Zeit habt ihr schon mit Beten verbracht? Und, sagt einmal: wie war die Ausbeute? Komisches Wort, Ausbeute…Aber bei anderen Dingen fragen wir doch: Stimmt das Kosten-Nutzen-Verhältnis? In meiner Schulzeit hat uns Jugendliche eine Mundartband begeistert – und ich kenne aktuell mindestens einen ganz großen Fan dieser Gruppe auch hier im hohen Norden, ganz im Norden, im Lübke-Koog nämlich: das war die Gruppe Bap. Kölner Mundart, und Texte mit Tiefgang. Ein Lied dieser Gruppe heißt: Wenn et Bedde sich lohne däät! Und dann zählt der Sänger Wolfgang Niedecken auf, was er alles tun würde, wenn, ja, wenn sich Beten lohnen täte: eine Kerze für Elvis anzünden, für den Feldherrn beten, der nur darauf wartet, dass er verliert, für einen Riesenapplaus für die Klofrau beten (manche Liedzeilen gewinnen in der Gegenwart neue Brisanz, Riesenapplaus fürs Pflegepersonal haben wir erst erlebt!) – und alle Schranken und Grenzen sollten verschwinden und alle Waffen sowieso.

Aber gleich zu Beginn der Aufzählung aller möglichen Gebetsanliegen kommt im Text dieser starke Satz: „ich würde beten für alles, wo der Wurm drin ist, und für alles, was mich quält, für alles, was sich wohl nie ändern wird, und für alles, was mir gefällt.“ Ist das nicht eine großartige Auflistung, was Beten ausmacht? Quälendes, Schönes, schier Aussichtsloses: alles können wir im Gebet zu Gott bringen. Lohnt sich das? Ich hab die Formel nicht, nach der man berechnen kann, ob sich ein Gebet lohnt. Geht es darum, dass meine Wünsche genauso eintreten, wie ich sie erbitte: wäre das lohnende Gebetserhörung? Oder ist es vielleicht viel kostbarer, dass ein Gebet mich selber verändert, ich auf einmal merke, was wichtig ist und ich vielleicht spüren darf, wie Gott mit mir geht? Müssen wir fragen: ob unser Gebet die Welt besser macht? Oder müssen wir eher fragen: Ob es unser Leben erfüllter macht? Ob es jemandem anderen hilft, wenn er weiß: Menschen beten für mich? Ob es mir selber gut tut, mein Leben, alles, was mich bewegt, mal auszusprechen, hinzuwerfen vor Gott? Ob sich beten lohnen tut? Ein Tag ohne Gebet – ohne Gespräch mit Gott, ohne Gedanke an Gott, ohne stumme Seufzer, aus meinem Inneren herausgeschickt, voll Vertrauen, sie werden gehört: einen Tag ohne all das mag ich mir gar nicht vorstellen. Und jetzt in diesen Coronazeiten, in Zeiten der Abstandshaltung, ist ein Gebet eine Brücke von Haus zu Haus, Mensch zu Mensch, die uns verbindet. Wenn wir gemeinsam, jeder für sich und doch einander so nahe: füreinander beten, für andere, für diese Welt, für uns. Und am Ende einfach sagen: Vater unser, der du bist im Himmel, und die Worte Jesu mitsprechen, die Jesus selber in uns betet. An diesem Sonntag ist Sonntag Rogate. Rogate heißt: Betet!

Kommt behütet durch diesen Tag!

Euer Pastor Gerald

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