Es fühlte sich gut an. Anders, ungewohnt, aber doch irgendwie gut. Am Sonntag konnten wir erstmals seit 10 Wochen wieder Gottesdienst feiern – also mit Gemeinde vor Ort in der Kirche. Es war anders und fühlte sich neu an, und darum klopfte auch mein Herz bisschen schneller, bevor alles losging. Und ich freute mich schon so sehr darauf! Und es war wie Weihnachten: Alle Plätze belegt! Na ja, mit etwas mehr Abständen als an Heilig Abend, wir durften ja statt der über 200 Plätze nur 20 belegen, aber immerhin: die waren besetzt! Und alle gut verteilt, sogar in der ersten Reihe saß jemand, und das war nicht ich! – Was diese neuen Maßnahmen alles bewirken! Nicht mitzusingen, das war gemein – weil Kolle Feddersen einfach zu schön spielte an der Orgel und so wunderschöne Melodien ausgewählt hat wie „Geh aus mein Herz“ oder „Morgenlicht leuchtet“

Aber innerlich, so hinter Mundschutz verborgen, konnte die Seele eben doch mitsummen, und bisschen mitswingen ging auch! Ja, es war ungewohnt in so viele Gesichter zu schauen, die nur zu einem Drittel zu erkennen waren und die bis auf die Augen ja so gar keine Mimik verraten ließen. Aber irgendwie fand ich, kamen wir uns in dieser Atmosphäre ganz besonders nahe. Und am Ausgang, auf dem Friedhof, rückten wir uns nicht auf die Pelle, aber standen eben doch noch ein bisschen in kleineren Grüppchen zusammen, schnackten noch etwas, genossen den Sonnenschein. Es tat gut mal wieder da zu sein im Hause des Herrn – und es tat genauso gut zu hören, dass Jesus uns mit dem Predigttext bei Matthäus 6 zum Beten ins stille Kämmerlein schickte: ja, die Kirche ist wunderschön, ein besonderer Ort, aber Beten können wir überall, und wenn es mal Zeiten gibt, wo wir nicht in die Kirche können oder wo wir vielleicht auch jetzt noch Angst haben rauszugehen, unter Menschen, und lieber daheim bleiben, dann ist es so großartig zu wissen: beten können wir eben daheim auch. Im Kämmerlein oder auf der Wohnzimmercouch, oder auf der Terrasse draußen oder im Auto am Bahnübergang oder in der Küche beim Kochen. Es braucht nicht viel zum Beten: ein Herz, das sich nach Gott sehnt. Ein Seufzer, der nach: Vater im Himmel, lieber Gott, Herr Jesus, ewigliebende Mutter oder so ähnlich klingt. Und das Vertrauen: Gott weiß, was wir auf dem Herzen haben, der sieht in unser Herzenskämmerlein und er sieht, wo wir gerade sind, und ist ganz nahe! Und so wollen wir es weiter handhaben. Auch wenn jetzt wieder erste öffentliche Gottesdienste möglich sind. Wir wollen weiter beten: für Kranke und Gesunde, für von Corono schwer Gebeutelte und für Menschen mit ganz anderen Sorgen. Füreinander und für die Welt. Das Coronaläuten der Glocken bei uns immer um 12.00 Uhr wird jetzt ausklingen. Nicht, weil das Thema nicht mehr wichtig ist, es treibt uns weiter um. Aber unsere Küsterinnen haben viel geleistet, ohne richtig funktionierenden Läutecomputer jeden Tag immer um 12.00 Uhr in der Kirche zum Läuten zu sein. Den Rhythmus nehmen wir einfach mit, auch ohne Glocken: lasst uns weiterhin beten, um 12.00 Uhr oder zu anderen Zeiten, im stillen Kämmerlein und jetzt auch wieder im Gottesdienst in der Kirche. Beten gegen all das Leid, das dieses Virus mit sich bringt, gegen all die Sorgen und die Verzweiflung: Beten, dass Gott da ist und hilft und uns zusammenhalten lässt hier vor Ort und in der ganzen Welt! – Und die Impulse auf unserer Facebookseite, die ihr so lange so treu gelesen und manchmal kommentiert habt? Ich will gerne weiter schreiben, aber jetzt wohl nicht mehr jeden Tag, vielleicht so zweimal die Woche, mittwochs und samstags oder so, vielleicht wird es auch mal ein anderer Wochentag, je nachdem, was anliegt und wie es mit der Zeit klappt – und freue mich auf eure Rückmeldungen oder Gedanken, was euch so auf dem Herzen liegt! In dem Sinne. Die Zeit mit Corona ist noch lange nicht vorbei. Vielleicht ist nicht einmal das Schlimmste überstanden. Wer kann das schon sagen! Wir bleiben zusammen. Und wir vertrauen, dass bei Gott Hilfe ist! Bleibt behütet! Euer Pastor Gerald

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