Weniger kann so viel mehr sein Weniger kann mehr sein!

Das, was wie ein Widerspruch in sich klingt, ist in Wirklichkeit eine tiefe Wahrheit. Wenn ich meinen Job wechsele und weniger verdiene, aber mich wohler bei der Arbeit fühle, ist das ein Gewinn. Oder, wie sagte mir jemand, der eine schwere Krankheit noch nicht wirklich überstanden hat, sinngemäß: „Meine Lebenszeit ist weniger geworden mit dieser Krankheit, aber dafür lebe ich seitdem viel bewusster, dankbarer und intensiver!“ Weniger kann mehr sein! Das ist eine wichtige Erkenntnis auch für die Zukunft dieser Erde. Ein „Weiter so!“ kann es nicht mehr geben. Immer mehr Wachstum und Ressourcenverbrauch kann nicht länger der Weg sein. Wir brauchen ein: „Weniger“. Weniger Plastik, weniger Fleischkonsum, weniger schädliche Düngemittel, weniger Auto fahren, weniger Flüge, auf alle Fälle weniger CO2 in die Landschaft pusten! Weniger bedeutet ein Mehr an Überlebenschancen auf unserem Planeten. Und ein „weniger“ hat noch anderen Gewinn: Es macht Freude im Bioladen vor Ort einzukaufen und zu wissen, wo das, was man kauft, herkommt. Es schmeckt auch besser. Und bewusster Autofahren kann bedeuten, Fahrgemeinschaften bilden und so mehr Zeit zusammen verbringen. Wir gehen auf die Passionszeit zu. Diese Zeit zeigt uns, wie bei Jesus aus „Weniger“ so viel „Mehr“ macht. Er tauscht den Himmel gegen die Erde ein und zeigt uns damit so viel Liebe! Ist das nicht ein „Weniger“ an Göttlichkeit, aber dafür ein so viel „Mehr“ an „Menschlichkeit“: uns zuliebe? Am Ende gibt Jesus allen Komfort auf, lässt sich schlagen, kreuzigen, töten. So wenig göttliche Macht scheint er zu haben dort am Kreuz. So viel macht er aber in Wirklichkeit daraus: er schenkt uns am Kreuz Versöhnung für unsere Schuld! Er zeigt den Leidenden auf der Welt, wie sehr Gott an ihrer Seite ist und mit ihnen mitfühlt! So wenig scheint aus den großen Hoffnungen der Jünger, die sie auf Jesus gesetzt haben, geworden zu sein, als Jesus sterbend am Kreuz hängt – so viel neue Hoffnung aber entsteht dann an Ostern: Der Tod ist besiegt, Jesus lebt, und wir sollen und dürfen auch leben! Weniger kann mehr sein. Manche verzichten in der Passionszeit auf etwas. Alkohol, Süßigkeiten, Fernsehen, Autofahren, Termine. Oder besser: sie setzen neue Schwerpunkte: mehr Zeit für Begegnung. Für bewusstere Ernährung. Mehr Zeit sich mit Freunden zu treffen. Mehr Zeit auch für Gott: für ein Gebet oder einen Blick in die Bibel. Und sie machen die Erfahrung: aus „Weniger“ oder aus „Anders“ wird: so viel „Mehr“! Heißt Glaube nicht ganz ähnlich: sich selbst und alle Absicherungen aufgeben: um sich ganz in Gottes Hand zu geben? Weniger kann so viel mehr sein! Weniger ich – um so mehr Gott! Oder, wie Jesus sagt: „Gebt, lasst los: so wird euch gegeben“ (Lukas 6,38).

Eine gesegnete Zeit wünscht euch euer Pastor Gerald Rohrmann