Er war schon in etwas vorgerücktem Alter, und er hatte sich nicht darum gerissen noch einmal seine angestammte Heimat zu verlassen. Aber dann kam alles anders, wie das so ist, wenn Gott in unser Leben tritt. Und so macht er sich schließlich auf den Weg: Mit Frau und Neffen, denn eigene Kinder haben sie nicht - auf den großen Weg ins Ungewisse. Er weiß nicht wirklich, wohin die Reise geht und was ihn am Ziel erwartet. Er weiß nur eines: Gott will das so.

"Und sein Kompass war Gottes Wort", wird es später in einem Kindergottesdienstlied heißen. Er hört das große Versprechen Gottes: "Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein." (1. Buch Mose 12,2).

Dann packt er seine Sachen und zieht los. "Wie soll von mir Segen ausgehen", denkt er unterwegs vielleicht noch ganz bescheiden. Aber wie gut tut der erste Teil dieser Verheißung: "Ich will dich segnen." Da spürt er Gottes Hand zart auf seiner Schulter. Und es ist ihm, als sage Gott ihm das ins Ohr: "Ich segne dich, Abraham! Ja, du darfst wissen, dass ich, dein Gott, mit meiner Liebe und Güte deine Schritte begleite, meinen Frieden über dein sorgenvolles Herz ausbreite und deinen Weg gelingen lasse." Momentan muss ich öfters an diese Geschichte im Alten Testament denken. Nein, bei uns war es schon anders, und es wäre ja auch vermessen sich mit Abraham vergleichen zu wollen.

Nun bin ich selber schon etwas im Alter vorgerückt, aber doch erst 50 und noch keine 75 Jahre, wie Abraham bei seinem Aufbruch war. Und wir haben - anders als Abraham auch viel stärker von uns aus Initiative ergriffen und wollten gerne aufbrechen, von hier in Hessen weg Richtung Norden, weil es wichtige gesundheitliche Gründe für uns gab - insbesondere für meine Frau -, Nordseeklima aufzusuchen. Zugleich lockte uns als Familie noch einmal eine neue Aufgabe.

Mit meiner Frau und mir zieht auch kein Neffe wie bei Abraham, wohl aber unsere beiden Töchter Tabea (15 Jahre) und Martha (12 Jahre), unsere beiden Möpse und drei Katzen und eine Schildkröte. Ich kann mich noch an das Gefühl erinnern, als meine Bewerbung Richtung Landeskirche Kiel verschickt war, denn da hieß es: Abwarten. Würde sich eine Tür auftun? Was wird Gott dazu sagen? Wir vertrauten darauf: Wenn Gott es will. Wenn darauf Segen liegt. Dann wird Gott das Aufbruchssignal geben. Dann können auch für uns diese Worte eine große Verheißung für unterwegs sein: "Ich will dich segnen" - und vielleicht dürfen auch wir etwas Segen weitergeben! Es ging eine Tür auf.

Der Pfarrbezirk rund um Emmelsbüll wurde mir als Gemeinde genannt, bei der ich mich bewerben dürfe. Ich gestehe - den Namen hatte ich noch nie gehört. Voll Spannung schauten wir auf der Karte nach. Dann fuhren wir im Oktober los um zu schauen. Es war für uns ein Segen, mit welcher Offenheit wir vor Ort empfangen wurden schon beim ersten Besuch.

Dann kam die Vorstellung vor den Kirchengemeinderäten, und es war gar keine angestrengte Prüfungssituation, eher eine wohltuend entspannte Runde, und ich staunte, wie viele Menschen sich im Gemeindeleben vor Ort einbringen. Was für ein Segen für eine Gemeinde, die auch in einer Vakanzzeit so engagierte Mitarbeiter hat!

Dann kam der Vorstellungsgottesdienst, und es gab so ermutigende Worte am Kirchenausgang von Gottesdienstbesuchern. Und dann die für uns so freudige Mitteilung vom Propst Ende Januar, dass die Kirchengemeinderäte mich zum neuen Pfarrer gewählt haben. Jetzt sind wir in großer Vorfreude. Hier in meiner jetzigen Gemeinde in Nordhessen ist noch so einiges los, aber nebenbei sind wir schon am Packen und freuen uns riesig auf die neue Aufgabe, die auf uns ab Anfang August wartet, und auf die Menschen vor Ort. "Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein." Alles ist an Gottes Segen gelegen. In jedem Gottesdienst wird uns Segen zugesprochen. Und manchmal dürfen wir das auch mitten im Alltag spüren, dass wir gesegnet sind. Dass Gott mit uns geht. Uns Schuld verzeiht. Neue Hoffnung gibt. Neue Ziele mit uns hat. Und helfen will, dass unser Leben zum Segen werden kann für andere. Wie viel Segen haben Sie schon um sich verbreitet mit der Liebe, die Sie geschenkt, mit Worten, die Sie gesprochen, mit Hilfe, die Sie anderen gewährt haben? Manchmal merken wir es gar nicht, wenn Segen von uns ausgeht! Und wie viel Segen hat Gott schon über Ihr Leben gebreitet? Manchmal fing es an mit einer neuen Weichenstellung, einem Aufbruch ins Ungewisse. Segen empfangen und Segen weitergeben: das ist an kein Lebensalter gebunden. Jeder Tag ist eine Aufgabe, die Gott uns anvertraut. Wenn wir sie aus Gottes Hand nehmen. Mit ihm aufbrechen. Ihn im Herzen dabei haben. Dann kann daraus viel Segen fließen für uns und für andere!

Liebe Gemeinden in Emmelsbüll-Neugalmsbüll, Horsbüll und Klanxbüll. Wir als Familie und ich als neuer Pfarrer freuen uns auf die neue Aufgabe bei Ihnen. Für Anfang Juli ist unser Umzug geplant. Sprechen Sie uns an, kommen Sie gerne auch auf einen Tee oder Kaffee im Pfarrhaus vorbei, wir freuen uns über jede Begegnung! Lassen Sie uns auch in Gebeten füreinander da sein! Und lassen Sie uns gemeinsam darauf vertrauen: Gott wendet sich jedem Menschenkind zu mit seinem Segen und möchte durch Sie und durch uns etwas Segen, Glück, Frieden, Liebe in diese Welt hinaustragen! Dafür leben wir!

Ihr Gerald Rohrmann
mit Familie und Erwartungen
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