Geistliches Wort

Liebe Gemeinde,


Der Kirchentag 2017, der vom 24.5.- 28.5. in Berlin und Wittenberg zum 500. Reformationsjubiläum durch Martin Luther stattfindet, hat folgendes Motto aus dem 1. Buch Mose 16, 13: „Du siehst mich“.

 

Im Programm heißt es (Zitat Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au): „Nicht allein über Menschen werden wir reden, auch nicht über Flüchtlinge oder über Andersdenkende. Wir werden miteinander reden, einander zuhören in reformatorischer Gelassenheit und streiten mit protestantischem Selbstverständnis. Das ist der Beitrag des Kirchentages in einer Zeit verbaler Provokationen und Angriffe auf einen gesellschaftlichen Grundkonsens.“

 

Hiermit nimmt der Kirchentag eines der wichtigsten Themen unserer Zeit in den Fokus: Das Reden miteinander und nicht übereinander. Auch wenn die Parolen der Populisten in Europa und der Welt vermeintlich einfache Lösungen anbieten, schüren sie doch nur die Trennung der Menschen voneinander und den Hass übereinander. Die Schuld für Missstände wird den „anderen“ zugeschoben, die sich dagegen nur schwer wehren können.

 

Nach über 70 Jahren Frieden sollten wir doch eigentlich gelernt haben miteinander zu reden und auch mal zu streiten ohne persönlich zu werden. Doch wie zur Zeit Luthers war ein miteinander auf echter „Augenhöhe“ nur sehr schwer möglich. Schon damals wussten die Reichen und Einflussreichen, wie man die eigene Macht und den eigenen Einfluss schützte und erhielt. „Augenhöhe“, also echte Gleichbehandlung oder echte Gleichstellung und die damit verbundene Vielfalt der Meinungen machte den Mächtigen damals wie heute Angst. Statt einer bunten Vielfalt konzentriert sich der Blick weg von der Gesellschaft oder der Gemeinschaft auf die eigenen Bedürfnisse und Wünsche. Die „anderen“ stören dabei nur. Statt dem gemeinsamen Wir wird nur noch das Ich gesehen und betont.

 

Das Motto des Kirchentages „Du siehst mich“ soll den Blick wieder öffnen, weg vom ich hin zu meinem Nächsten, zum DU, so wie auch Gott mit seinem liebevollen Blick jede und jeden Einzelnen von uns im Blick hat.

 

Die Liebe Gottes ist 'Du-orientiert'. Und verfolgt letztendlich nur ein einziges Ziel, dem anderen Gutes, ja das Beste zu tun.

 

Liebe braucht Nähe und Distanz, respektiert aber Grenzen oder Räume, die man nicht übertreten oder betreten darf, ohne eingeladen zu werden. Liebe verändert sich, so wie sie verändert. Liebe ist stark und schwach, unterschiedlich in ihrer Intensität. Liebe ist nie Ausdruck von Macht oder Gewalt, die den anderen in seiner Ohnmacht bloßstellt und ihn zum Opfer werden lässt. Liebe ist nicht Abhängigkeit, nicht Unterordnung, nicht vom Wunsch getragen, den anderen so zu verändern, wie ich ihn haben will. Liebe emanzipiert, befreit von Ängsten und Argwohn und gibt der Hoffnung, dem Vertrauen Raum. Darum fördert sie Leben und erweckt Neues. Liebe sagt 'ja' und sagt 'nein' und wird getragen von der Achtung und dem Respekt, dass der andere wie ich selbst ein von Gott mit Würde ausgestattetes Wesen ist, ja den Hauch von Gottes Ewigkeit in sich trägt.

 

Ich wünsche eine gute Zeit und Gottes Segen.

Ihr Pastor Sören Zastrow




Tageslosung von Samstag, 19. August 2017
Deine Sonne wird nicht mehr untergehen und dein Mond nicht den Schein verlieren; denn der HERR wird dein ewiges Licht sein.